Kategorie: Fachartikel

Mastercards weltweite Aktivitäten gegen Bargeld aufgedeckt: die Erfindung einer Gesundheitsgefahr durch Banknoten

Der amerikanische Kreditkartenkonzern Mastercard hat sich einer Welt ohne Bargeld verschrieben. Zur Verwirklichung seines Ziels zieht das Unternehmen alle Register. In diesem Artikel erhalten Sie das erste Mal exklusiven Einblick darin, wie Mastercard weltweit die öffentliche Meinung manipuliert und zugunsten digitaler Zahlungsmittel umstimmt. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem Versuch, Bargeld als unhygienischen und gesundheitsgefährdenden Gegenstand im Bewusstsein der Gesellschaft zu verankern.

März 2013: Eine Nachricht geht um die Welt

Amerika

CNN, 28. März: »Wenn Sie dachten, dass es dreckiges Geld nur auf Offshore-Konten gibt, überprüfen Sie stattdessen Ihren Geldbeutel. Aber Sie könnten danach Ihre Hände waschen wollen. […]. Eine Oxford-Studie kommt auf durchschnittlich 26.000 Bakterien je Banknote.«

https://edition.cnn.com/2013/03/28/business/dirty-money/index.html

Schweiz

Blick, 26. März: »Ekel-Geld: Viele Schweizer finden Bargeld unhygienisch[.] 64 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer finden ihr Bargeld unhygienisch. Kein Wunder, denn es ist besonders schmutzig.«

https://www.blick.ch/people-tv/ekel-geld-viele-schweizer-finden-bargeld-unhygienisch-id2251280.html

https://www.aargauerzeitung.ch/schweiz/kein-witz-schweizer-banknoetli-sind-besonders-eklig-126309244

The Local, 27. März: »[…] eine Studie von Wissenschaftlern der Universität Oxford kommt zu dem Schluss, dass das gesetzliche Zahlungsmittel der Schweiz zu den schmutzigsten Europas gehört.«

https://www.thelocal.ch/20130327/swiss-money-really-is-dirty-uk-scientists

Frankreich

Le Monde, 1. April: »Ist Bargeld dreckig?«

https://www.lemonde.fr/vie-quotidienne/article/2013/04/01/l-argent-liquide-est-il-sale_6003530_5057666.html

Vereinigtes Königreich

Metro, 26. März: »Mehr als die Hälfte der Briten fürchtet ein bakterielles Risiko durch schmutziges Geld – aus gutem Grund[.]«

https://metro.co.uk/2013/03/26/more-than-half-of-brits-fear-germ-risk-from-filthy-money-with-good-reason-3559249/

Spanien

Infosaulus, 26. März: »63% der Spanier halten Münzen und Banknoten für die schmutzigsten Gegenstände[.]«

https://www.infosalus.com/actualidad/noticia-63-espanoles-considera-monedas-billetes-son-objetos-mas-sucios-20130326112950.html

Dänemark

DR, 26. März: »Banknoten und Münzen sind gefährliche Keimbomben[.] Dänische Banknoten sind so dreckig und mit schädlichen Bakterien besetzt, dass sie ein Gesundheitsrisiko darstellen können.«

https://www.dr.dk/nyheder/indland/pengesedler-og-moenter-er-farlige-bakteriebomber

Russland

Komsomolskaya Pravda, 27. März: »Auf jeder russischen Banknote finden sich 30.000 Bakterien[.] […]. Unser Finanzministerium plant eine Obergrenze für Barzahlungen einzuführen […]. Man sagt, es sei einfacher, gegen diejenigen zu kämpfen, die keine Steuern zahlen […]. Nun gibt es einen weiteren Grund, sich vom Bargeld […] zu trennen: die Hygiene.«

https://www.kp.ru/daily/26053.4/2964454/

Ukraine

Svobodnaja Pressa, 26. März: »Sogar auf neuen Banknoten sitzen tausende Bakterien[.]«

http://inpress.ua/ru/society/8100-dazhe-novye-banknoty-soderzhat-tysyachi-bakteriy

Japan

CNN Japan, 31. März: »Eine unabhängige Studie, die […] von Wissenschaftlern der Universität Oxford durchgeführt wurde, ergab, dass sich durchschnittlich 26.000 Bakterien auf jeder Banknote befinden.«

https://www.cnn.co.jp/business/35030219.html

Irorio, 2. April: »Laut einer Umfrage von Mastercard sind Banknoten das Schmutzigste, was man anfassen kann[.]«

https://web.archive.org/web/20130526084854/irorio.jp/canal/20130402/52914/

Die Hintergründe der Oxfordstudie

Was war geschehen? Mastercard hatte in Oxford eine Untersuchung in Auftrag gegeben. Unter der Leitung von Prof. Ian Thompson wurden Banknoten verschiedener Währungen auf ihre Keimzahl hin überprüft. Start war Freitag, der 15. März 2013. Für die jungen Forscher etwas Abwechslung im trockenen wissenschaftlichen Alltag.

Um die Bakterien auf den Geldscheinen zählbar zu machen, wurden die genommenen Proben anschließend für 5 Tage in den Wärmeschrank gestellt. Anhand der Zahl Kolonien von Mikroben, die sich in dieser Zeit gebildet hatten, konnte ein Rückschluss darauf gezogen werden, wie viele Bakterien zuvor auf der Banknote saßen.

Halten wir aber fest: Die »Studie«, wie die Untersuchung an der erlauchten Eliteuniversität Oxford in vielen Presseberichten bezeichnet wurde und wird, war eine einfache Laboruntersuchung im Auftrag eines Kreditkartenkonzerns. Mastercard durfte die Ergebnisse exklusiv in die Öffentlichkeit tragen.

Mastercards Presseerklärung am 25. März

5 Tage nach Auswertung der Proben wendet sich das Unternehmen an die Medien. In seiner internationalen Presseerklärung beginnt Mastercard mit einer Interpretation der Resultate einer Onlinebefragung, mit dessen Durchführung der Konzern eine britische Marktforschungsfirma beauftragt hatte:

»57% glauben, dass Banknoten und Münzen der am wenigsten hygienische Gegenstand sind, mit dem sie in Kontakt kommen, noch vor den Handläufen von Rolltreppen.«

Leicht abgewandelt heißt es in der deutschen Variante der Presseerklärung:

»So sind 51% der Deutschen davon überzeugt, dass kein Alltagsgegenstand so unhygienisch ist wie Banknoten und Münzen. Nicht einmal den Kontakt mit Rolltreppenhandläufen scheuen sie mehr.«

Das tatsächliche Ergebnis der Umfrage stützt diese Aussage keinesfalls. Die an die Teilnehmer gestellte Frage lautet: »Könnten Sie bitte eine Rangfolge der folgenden Gegenstände in Bezug auf die Hygiene aufstellen, wobei 1 die höchste und 4 die niedrigste Hygienekategorie ist?« Zur Auswahl stehen dabei aber nur »Bücher in einer Bücherei«, »die Tasten auf einem Kartenbezahlterminal«, »der Handlauf an einer Rolltreppe« und »Banknoten und Münzen, die Sie als Wechselgeld bekommen«. Der ausdrückliche Hinweis auf Banknoten ALS WECHSELGELD vermittelt der befragten Person, das mit dem Gegenstand auch fremde Menschen verbunden sind. Vor diesem Hintergrund ist es nicht mehr so verwunderlich, dass 51% der deutschen und 57% aller Teilnehmer Wechselgeld als den unhygienischsten unter den genannten Dingen betrachteten.

Mit Verweis auf die Untersuchung in Oxford folgt die Feststellung, dass auf einer durchschnittlichen Banknote 26.000 Bakterien sitzen (auf Euro-Banknoten im Schnitt 11.066, also etwas weniger). Dabei säßen selbst auf der allerneuesten Banknote bereits 2400 Bakterien.

Weiter geht es mit einem Zitat von Ian Thompson, unter dessen Leitung die Tests durchgeführt wurden. Er erwähnt, dass eine größere Zahl Bakterien einer krankheitserregenden Mikrobenart zur Infektion führen kann. Auf die Notwendigkeit, dass diese größere Zahl Bakterien EIN UND DERSELBEN ART erst einmal in den Körper gelangen muss, geht Mastercard allerdings nicht ein. In verschiedenen externen Versuchen wurde darüber hinaus immer wieder festgestellt, dass auf Banknoten hauptsächlich Bakterien der menschlichen Hautflora vorkommen.
Thompson arbeitet in Oxford als Professor für Ingenieurwissenschaften auf dem Gebiet der industriellen Nutzung mikrobieller Prozesse (z.B. in einer Biogasanlage). Er beschäftigt sich beispielsweise aber auch mit Verfahren zum Nachweis antibiotikaresistenter Bakterien.

Zum Schluss werden sonstige Ergebnisse aus der Umfrage angesprochen. Ein Großteil der Befragten hatte unter anderem der Aussage zugestimmt, dass auf Bargeld viele Bakterien zu finden sind.

Ein beliebig zurechtgedrehtes Zitat von Ian Thompson

Internationale Presseerklärung

»Die Europäer sind nicht grundlos der Ansicht, dass Bargeld schmutzig ist. Die Euros, die wir getestet haben, enthielten durchschnittlich 26.000 Bakterien. Bei einigen pathogenen Organismen reicht das für eine Infektion aus. […].«

http://newsroom.mastercard.com/press-releases/how-clean-is-your-cash-europeans-rank-cash-as-dirtiest-everyday-item/

Deutsche Presseerklärung

»Es hat seine Gründe, dass die Deutschen Bargeld für schmutzig halten. Die Euros, die wir getestet haben, enthielten durchschnittlich 11.000 Bakterien. Bei einigen Krankheitserregern reicht das für eine Infektion aus. […].«

https://www.presseportal.de/pm/113997/2440005

Schwedische Presseerklärung

„Die Schweden sind zu Recht der Ansicht, dass Bargeld schmutzig ist. Die von uns getesteten schwedischen Banknoten enthielten durchschnittlich 39.600 Bakterien. Bei einer Reihe pathogener Organismen reicht das für eine Infektion aus. […].«

https://www.mynewsdesk.com/se/pressreleases/kontanter-aer-bakteriebomber-tycker-svenskarna-850312

Bald kommt die Grippe

Im Herbst und Winter 2013 nahm Mastercard die Grippe zum Anlass, seine Dienstleistungen zu bewerben: »Hatschi! Bereiten Sie sich auf die Grippesaison vor, indem Sie auf Bargeld verzichten[.]« (12.11.2013.) »Eine freundliche Erinnerung ans Händewaschen in dieser Grippesaison[.]« (17.12.2013.) Jeweils versehen mit dem Schlagwort »Dirty Cash« (dreckiges Bargeld) und einem vielsagenden Foto.

Einige Beispiele für prägnante Botschaften in Form von Grafiken, die Mastercard in der Folgezeit dem Internet zur Verfügung stellte:

– »Was denken Sie, wann die Nutzung des dreckigen Bargelds mit einem gesellschaftlichen Tabu belegt sein wird?« Siehe Grafik hier.

– »Nutzen Sie noch das dreckige Bargeld?« Siehe Grafik hier.

– Und passend zu der Veröffentlichung einer weiteren Umfrage im Mai 2014, bei der Mastercard ein Missverhältnis zwischen der Zahl der Befragten, die Bargeld für dreckig halten, und der Zahl derer, die sich konsequent nach jedem Kontakt mit Bargeld die Hände waschen, bemängelte, erschien ein doppeldeutiges Foto mit der Aufschrift »Schluss mit schlechten Gewohnheiten« und der Anmerkung »Bargeld ist eine schmutzige Gewohnheit«.

Frühjahr 2020: Die Ergebnisse aus dem Oxfordlabor bekommen ein zweites Leben

Am 18. Februar 2020 gab Mastercard eine Pressemeldung in türkischer Sprache heraus: »Geld hat einen Einfluss auf die Verbreitung von Viren[.]« So etwa heißt es in der Überschrift. Außer dass der US-Konzern darin wieder seine Untersuchungsergebnisse aus Oxford verkündet, verweist er nur auf eine amerikanische Studie aus dem Jahr 2017, in der Mastercard zufolge festgestellt wurde, dass ein [frisch auf eine Banknote gelangtes] Erkältungsvirus 12 Tage am Leben bleiben könne.
Die Presseerklärung verbreitete sich rasch und wurde von den Medien oft unkommentiert veröffentlicht. Bald existierte eine russische Übersetzung, die ebenso unverändert durch die Onlinepresse wanderte: hier ein Beispiel aus Russland und Aserbaidschan. Bereits am 19. Februar berichtete die chinesische Presse, bezugnehmend auf einen türkischen Bericht.

Im März schrieben dann viele spanische Medien über die Untersuchungen aus Oxford, gepaart mit dem Hinweis darauf, dass in den Stadtbussen von Madrid aus aktuellem Anlass keine Barzahlung mehr möglich ist. Auslöser der Berichte war offenbar eine Meldung der spanischen Nachrichtenagentur EFE. Vereinzelt gab es im Laufe des Frühjahrs auch Artikel in anderen Ländern, in denen die Ergebnisse aus Oxford ein zweites Leben bekamen: so in der Schweiz oder in Japan.

Zu Beginn der Krise bemühte sich Mastercard gemeinsam mit anderen Unternehmen der Finanzwirtschaft um eine Anhebung der Obergrenze für die kontaktlose Bezahlung. Das Projekt war rund um den Globus erfolgreich. Auf dem hiesigen Kontinent konnte für das Vorhaben die Unterstützung der Europäischen Bankenaufsicht gewonnen werden. In der Öffentlichkeit präsentierte man sich als stiller Genießer.

Bargeld oder Kreditkarte: Was ist für unsere Gesundheit am besten?

Sehen wir uns im Folgenden aus zwei verschiedenen Blickwinkeln an, welche Zahlungsweise unserer Gesundheit gut bekommt.

Kurzfristig gedacht

Zwar haben Tests in der Vergangenheit gelegentlich nahegelegt, dass die durchschnittliche EC- oder Kreditkarte sogar mehr Bakterien pro Quadratzentimeter beherbergt als Banknoten, aber ihr Inhaber hat die Möglichkeit, sie regelmäßig zu desinfizieren. Außerdem unternimmt Münz- und Papiergeld weite Reisen und könnte dabei zur Verbreitung unerwünschter Mikroorganismen und Viren beitragen. So gesehen kann die Karte in der Frage der Gesundheit als dem Bargeld überlegen betrachtet werden.

Allerdings sind viele unter den weniger förderlichen Mikroben ohnehin in unserer Umwelt allgegenwärtig. Und bei den multiresistenten Bakterien muss man sich fragen, wie viel Sinn es macht, eine im Entferntesten denkbare Ausbreitung über die Banknote in Augenschein zu nehmen, solange das Problem an dem Ort, an dem sich Menschen mit einem geschwächten Immunsystem aufhalten, durch den Antibiotikaeinsatz laufend neu erzeugt wird.

Darüber hinaus bewegen sich Bakterien, Viren und Pilze auch – und teilweise vor allem – durch die Luft fort. Und so gibt es keinen Ort, der vor ihnen sicher ist. Egal ob wir auf Bargeld nun verzichten, wir müssten uns trotzdem weiterhin die Hände waschen, bevor wir etwas essen oder wenn wir nach Hause kommen.

Nicht nur Bakterien, sondern auch Viren gehören fest in unsere Umwelt: Sie sind die vielleicht älteste Lebensform auf der Erde und finden sich sogar im menschlichen Erbgut wieder. Tagtäglich regnen Millionen von Viren über jedem Quadratmeter Erde herab. Selbst ins Wasser kann sich der Mensch nicht retten, denn auch dort halten sich Millionen Bakterien, ja Milliarden Viren in wenigen Millilitern flüssigem Nass auf. Und bei größeren Regenfällen treten landesweit die Abwasserkanäle über. Wer dann im Fluss oder See baden geht, lernt den Querschnitt der Gesellschaft kennen.

Wie eine Studie ans Tageslicht beförderte, lösen sich nur wenige Bakterien von baumwollbasierten Banknoten wie dem Euro (untersucht wurde der 1-Dollar-Schein mit 25% Leinen- und 75% Baumwollanteil): Bei den drei untersuchten Bakterienarten wollten sich in der Regel nicht mehr als 0,1–0,3% (im Maximum 0,7%) an der berührten Stelle ablösen und dem Finger anheften. Das getestete Virus lieferte Ergebnisse von 0,1 bis 1,5%. Darüber hinaus wurde bei der Untersuchung festgestellt, dass es bei glatten, unporösen Gegenständen ganz anders aussieht: Dort funktioniert die Übertragung bis zu 250 Mal besser als bei der Banknote.

Und die meisten Bakterien auf einem Geldschein sind ohnehin harmlos. Den wenigen anderen steht ihrer Vermehrung auf unserer Hand die Anwesenheit anderer, zur natürlichen Hautflora zählender Bakterien entgegen, die obendrein die Unterstützung von unserem Körper im Rücken haben. Zu nennen wäre auch, dass es auf unserer Körperoberfläche Mikroorganismen gibt, die antimikrobielle Peptide bilden und weniger dienliche Mikroben sicher abtöten.

Sollten wir uns dennoch einmal im falschen Moment ins Gesicht langen und einem unerwünschten Virus oder Bakterium die Möglichkeit geben, in unseren Körper zu gelangen, ist noch lange nichts zu spät. Die Dosis macht bekanntlich das Gift, und wenn sie überhaupt ausreicht, so springt unser angeborenes Immunsystem ein und beendet den Spuk. Wenn wir dennoch das Gefühl haben, dass Banknoten eine Gefahr für uns darstellen, haben wir die Möglichkeit, unsere Abwehrkräfte zu stärken, indem wir beispielsweise an die Sonne gehen.

Es ist interessant, einmal danach zu recherchieren, wie viele Bakterien einer pathogenen Art nötig sind, um sich überhaupt zu infizieren: Bei der Salmonellenvergiftung schätzt das RKI, dass es üblicherweise zwischen 10.000 und 1.000.000 sind.

Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass das Bundesamt für Risikobewertung, was das Virus in der aktuellen Krise anbelangt, Bargeld keine besondere Gefahr beimisst. Ebenso wenig das Schweizer Bundesamt für Gesundheit, das RKI, die Deutsche Bundesbank und die EZB. Betreffend den Bakterien merkt die Europäische Zentralbank an, dass ihre Menge so gering ist, dass sie keine Krankheitssymptome verursachen können.

Sollte es der Gesellschaft dennoch nicht geheuer sein, vor allem Banknoten weiterhin zu verwenden, gäbe es genügend Möglichkeiten im Einflussbereich der lokalen wie europäischen Politik, Bargeld hygienischer zu machen:

– Die häufig gebrauchten Banknoten mit niedrigem Nennwert könnten durch Münzen aus Gold und Silber ersetzt werden. Diese Metalle besitzen wie Kupfer (das in allen Münzen der europäischen Währung entweder den Hauptanteil ausmacht oder sie ummantelt) eine abtötende Wirkung auf Bakterien, Viren und Pilze.

–  Banknoten könnten aus Hanf statt Baumwolle hergestellt werden. Hanf enthält Stoffe, die antimikrobiell wirken. Um den Effekt zu verstärken, könnten Kupfernanopartikel in das Gewebe integriert werden. Dabei sollte natürlich zuerst überprüft werden, ob solch winzige Partikel nicht schädlich für Mensch und Umwelt sein können.

– Nach japanischem Vorbild könnten Banknoten im Geldautomat durcherhitzt werden. Zusätzlich wäre es möglich, die Geldscheine anschließend mit erwünschten Organismen zu besiedeln.

– Regionaleres Wirtschaften in Kombination mit der Ausgabe einer Regionalwährung würde das gelegentlich geäußerte Problem einer möglichen Verbreitung oder Einschleppung unerwünschter Arten von Organismen durch Bargeld in zweifacher Hinsicht lindern: nicht nur Scheine und Münzen (die nur in einem bestimmten Kreis oder Bundesland ausgegeben werden könnten) würden zukünftig kürzere Wege zurücklegen.

Langfristig gedacht

Wenn sich viele Menschen entscheiden, auf ein bargeldloses Zahlungsmittel umzusteigen, und Bargeld meiden, wird es ganz bald keine Banknoten und Münzen mehr geben: Das Geldautomatennetz dünnt aus, die Gebühren steigen und unter den Gewerbetreibenden macht sich Missmut breit. In Hinblick auf die Entwicklungen in Schweden, wo das gesetzliche Zahlungsmittel jeden Rückhalt verloren hat, wies Prof. Malte Krüger am 18. Juni 2020 im Bundestag darauf hin, dass sobald der Bargeldgebrauch eine gar nicht niedrige Schwelle unterschreitet, eine Dynamik in Gang kommt, aus der heraus die Händler zunehmend Bargeld ablehnen und in der Folge seine Nutzung rapide absinkt. In Schweden sei der kritische Punkt im Jahr 2010 gewesen (also zu einer Zeit, als noch 39% der Einkäufe bar bezahlt wurden). Wenn Bargeld jedoch in die Defensive gelangt, gerät es gefährlich in den Einfluss seiner ernstzunehmenden Gegner!

Wissenschaftler beobachten seit mehreren Jahrzehnten, dass die Wahl des Zahlungsmittels eine Auswirkung darauf hat, wie viel Geld wir ausgeben. Das soll mit einem Schmerz des Bezahlens (dem Pain of Paying) zu tun haben, der uns darauf hinweist, dass unser Einkauf nicht kostenlos ist und dass wir etwas von uns für die Ware oder Dienstleistung hergeben müssen, zu dem wir nur durch den Einsatz unserer Fähigkeiten und Kräfte gekommen sind, als wir eine Arbeit geleistet haben. Wer Bargeld nutzt, läuft am wenigsten Gefahr, sich zu verschulden; wer mit dem Smartphone auf Kredit bezahlt, bereitet sich am ehesten Probleme. Siehe dazu:

https://www.vista.blog/mobile-payment-beguenstigt-verschuldung

https://www.psychologytoday.com/us/blog/the-science-behind-behavior/201607/does-it-matter-whether-you-pay-cash-or-credit-card

Denken Sie einmal daran, wie es wäre, wenn eine neue Generation heranwächst, der es nicht mehr möglich ist, den guten Umgang mit Geld zu erlernen. Kinder, die mit Karte oder Handy ihr Taschengeld einlösen und meinen, alles wäre irgendwie kostenlos. Jungen und Mädchen, die sich daran gewöhnen, dass schon die Eltern ihre Ausgaben in Echtzeit überwachen und reglementieren.

Meinen Sie, fortschreitende Dekadenz und Freiheitsverlust bekämen unserer Gesundheit gut? Stattdessen müssen wir damit rechnen, dass Menschen, deren Leben aus dem Ruder gelaufen ist, mit Depressionen und mangelndem Lebenswillen zu kämpfen haben. Offene Rechnungen sorgen für Stress und schlaflose Nächte, und das wiederum für ein geschwächtes Immunsystem. Menschen, die eine Anspruchsmentalität entwickelt haben, sind weniger dankbar, folglich weniger glücklich und schließlich weniger gesund.

Langfristig erfolgreich kann nur die Hinwendung zu den Dingen sein, die wir uns im Herzen wünschen und die uns stärken, nicht die Bekämpfung dessen, was wir fürchten. Mit den Bakterien haben wir einen unbesiegbaren Gegner ausgemacht. Heute sterben da, wo am erbittertsten gegen sie gekämpft wird, 700.000 Menschen jährlich an antibiotikaresistenten Keimen. Genau solche Mikroben sind es, über deren mögliche Verbreitung durch Bargeld Prof. Ian Thompson in Mastercards Presseerklärung eine Untersuchung anregte.

Mit der kurzfristigen Denkweise laufen wir also Gefahr, alle nützlichen Dinge infrage zu stellen, nur nicht unsere Handlungen und unsere Lebensweise in Gegenwart und Vergangenheit. Wird das Bargeld abgeschafft und ein vermeintliches Gesundheitsproblem gelöst, stehen wir morgen nicht nur vor 100 neuen Problemen, nein, auch das scheinbar gelöste Problem betritt schon bald mit neuer Kraft die Bühne.

Euro-Bargeld ist heute das einzige überall verfügbare physisch anfassbare Geld und steht somit digitalen Zahlungsformen einsam gegenüber. Aus einer ganzheitlichen Perspektive heraus betrachtet ist Bargeld derzeit das einzig sinnvolle Austauschmittel im Einzelhandel und ein sehr gutes Lehr- und Hilfsmittel für guten und verantwortungsvollen Umgang mit Geld. Im Licht der Folgen einer Abkehr vom Bargeld erweisen sich Banknoten und Münzen auch als Säule unserer Gesundheit.

Sind 11.066 Bakterien auf einer Banknote viel?

Die in Oxford untersuchten 5-Euro-Banknoten haben Maße von 120×62mm (das sind 74,4cm²) und eine Ober- und Unterseite (74,4 mal 2 Seiten macht 148,8cm²). Durchschnittlich 11.066 Bakterien geteilt durch 148,8 ergibt 74 Bakterien pro Quadratzentimeter. Keine große Zahl. Dazu kommt, wie oben schon erwähnt, dass sich nur ein sehr kleiner Teil der Bakterien auf einem Geldschein bei Berührung ablöst.

Im Jahr 2014 untersuchten Forscher, wie viele Bakterien während eines 10sekündigen Kusses mit Zungenkontakt übertragen werden: im Schnitt 80 Millionen. Und auf der menschlichen Haut leben gar 100 Milliarden Mikroben!

Wie die Wasserversorgung der Stadt Zürich in einer Publikation schreibt, enthält gesundes, nichtkontaminiertes Trinkwasser 20.000–150.000 Bakterien pro Milliliter. Stilles Mineralwasser aus der Flasche liege in der gleichen Größenordnung. Sauberes Seewasser zählt 1 Million Bakterien je Milliliter.

Bakterien sind allgegenwärtig – in der Luft, im Wasser, auf Oberflächen, ja selbst in der glühenden Lava! Bei weitem übertroffen werden sie in ihrer Zahl aber von den Viren. Nur Atome und Moleküle scheinen da noch häufiger zu sein.

Dass man von der Anwesenheit von Bakterien nicht darauf schließen kann, dass ein Gegenstand dreckig ist, zeigen jedenfalls der dritte und vierte Eintrag in nachfolgender Tabelle:

Gegenstand der Untersuchung
Dickdarminhalt
Küchenschwamm
Fruchtbare Erde
Sauerkraut, Kefir, Joghurt
Achseln (unter den Oberarmen)
Spülbecken in der Küche
Zahnbürstenhalter
Teppichboden
Armaturengriff im Badezimmer
5-Euro-Banknote
Küchentheke
Verhältnis
typischerweise
bis zu
bis zu
bis zu
mindestens
im Schnitt
im Schnitt
im Schnitt
im Schnitt
im Schnitt
Bakterienzahl
100.000.000.000
54.000.000.000
1.000.000.000
1.000.000.000
775.002
176.410
38.221
31.000
279
74
71
pro
Gramm
cm³
Teelöffel
Gramm
cm²
cm²
cm²
cm²
cm²
cm²
cm²
Quelle

Wir sehen, dass Bakterien zu unserer natürlichen Umwelt gehören. Stellt sich da nicht die Frage, ob ein gesunder Körper nicht auch einen Nutzen daraus zieht, wenn er mit ihnen in Kontakt kommt? Im Falle der Hautmikroben haben Wissenschaftler inzwischen genau diese Feststellung gemacht: Ohne die Bakterien hätten wir kein korrekt funktionierendes Immunsystem.

Es kann als ein Naturgesetz betrachtet werden, dass auf unserem Planeten nichts dauerhaft existieren kann, das dem Leben nicht in vielfacher Hinsicht nützlich und dienlich ist.

Warum es keine wissenschaftlichen Arbeiten über den gesundheitlichen Nutzen von Bargeld gibt

1) In der heutigen Welt liegt die Aufmerksamkeit vor allem auf technischer Fortentwicklung. Nützliche Dinge wie Bargeld werden teilweise als Anachronismus bezeichnet. Auch Bewährtes muss neuen Erfindungen weichen, selbst wenn es begründete Sorgen gibt. Was leider unter die Räder gerät, ist menschlicher oder immaterieller Fortschritt, also Bewusstseinsentwicklung: Wie viele Menschen bemühen sich ernsthaft um Verzeihung, um die Pflege ihrer Beziehungen, darum, Dankbarkeit zu empfinden, ihre Gesundheit zu fördern, aufrichtig für sich selbst einzustehen und dem eigenen Lebens- und Herzensweg treu zu sein?

2) Bargeld hat keine nennenswerte Lobby: Die von der Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste (BDGW) vertretenen Unternehmen erwirtschafteten vor der Krise zusammen jährlich 600 Millionen Euro. Mastercard allein nahm 2019 international 16,9 Milliarden US-Dollar ein.

3) Langfristige Auswirkungen kann man mit logischen Gedankenschlüssen erkennen, aber sie experimentell zu belegen, ist fast unmöglich: Die Studie hätte eine so unendlich lange Laufzeit, dass Bargeld schon längst im Museum verstaubt wäre. Die Gesellschaft wartet nicht auf einen Beweis. Jedenfalls so lange nicht, wie sie technischem Fortschritt mehr Bedeutung als menschlichem beimisst.

Weitere Aktivitäten von Mastercard gegen Bargeld und für bargeldloses Bezahlen

– 10 Tage vor Muttertag veröffentlichte Mastercard am 3. Mai 2012 mehrere Umfragen zum Thema Bargeld: Der größere Teil der Amerikaner habe geantwortet, dass er das Geschenk zu Muttertag bargeldlos bezahlen werde. Außerdem hätten 49% gesagt, dass sie ihre Hände nach dem Kontakt mit Bargeld nicht waschen. Und das, obwohl doch bekannt sein sollte, dass es dort Bakterien gibt. Im Übrigen soll sich ein nicht unerheblicher Teil der Amerikaner eine bargeldlose Zukunft wünschen.

– Am 8. Mai 2013 präsentierten die nigerianische National-Identity-Management-Kommission und Mastercard beim World Economic Forum on Africa einen neuen elektronischen Identitätsausweis: Kreditkarte inklusive. Wie Mastercard berichtete, würde die Kommission das Kreditkartenunternehmen deswegen an dem Projekt beteiligen, weil es dem nigerianischen Staat dabei behilflich ist, die Bargeldnutzung zu reduzieren. Ein Jahr später war es so weit: Auf dem neuen Personalausweis Nigerias prangte das Symbol von Mastercard:

https://netzpolitik.org/2014/nigeria-elektronischer-personalausweis-ist-gleichzeitig-fuehrerschein-krankenkarte-und-mastercard-kreditkarte/

https://futurezone.at/b2b/austria-card-produziert-ausweis-mit-kreditkarte-in-nigeria/94.043.692

– Am 12. Juni 2013 erschien die von Mastercard gesponserte* Studie Cost of Cash. Darin wird uns vorgerechnet, dass Bargeld jeden Deutschen jährlich 150 Euro kosten würde. Am Ende ihrer Analyse machen die Autoren Vorschläge, wie die Nutzung von Bargeld reglementiert und dadurch weiter und weiter reduziert werden kann.

Mastercard bemüht sich auch, staatliche Organisationen beim Thema Bargeld umzustimmen. Anfang 2013 hatte der Konzern berichtet: »Im Rahmen seiner laufenden Bemühungen, einen öffentlich-privaten Dialog über die Kosten von Bargeld und die Vorteile elektronischer Zahlungen voranzubringen, hat Mastercard Vertreter von Regierungen, Hochschulen und anderen NGOs zu einem Forum […] eingeladen, um dort Erkenntnisse und neue Forschungsergebnisse zu diesem Thema auszutauschen.«

* Siehe dazu:

https://www.bundesbank.de/de/presse/reden/die-zukunft-des-bargeldes-710804

https://www.euractiv.com/section/innovation-industry/news/cash-costs-each-german-150-each-year-research/

http://www.zeit.de/2014/45/bargeld-muenzen-scheine-geldautomat

– Im Frühjahr 2014 veranstaltete Mastercard in Indien mit der Hindustan Times einen Contest: »Stellen Sie sich eine Welt vor, in der Sie mit dem Fingerabdruck bezahlen. Stellen Sie sich eine Welt jenseits von Bargeld vor. Faszinierend? Dann machen Sie den ersten Schritt, um dies Wirklichkeit werden zu lassen. Teilen Sie uns Ihre Vision […] mit und gewinnen Sie […]!« In einem Video erfährt der Teilnehmer, welch ausgefallene Ideen sich Mastercard vorstellt: Wie wäre ein Chip auf dem Zahn, mit dem jedes Lebensmittel bezahlt wird, sobald es gegessen wird? Mit den eingereichten Ideen ist das Unternehmen nachher zufrieden: »Jemand schickte einen Beitrag ein, in dem er sagte, es wäre großartig, wenn der Zahlungsmechanismus ein Teil deiner Schuhe würde […].«

Über den Autor

Hakon von Holst (Jahrgang 1999) engagiert sich für den Erhalt des Bargelds. Er schreibt regelmäßig für das Portal Bargeldverbot.info und unterstützte die Veröffentlichung des Buches »Das Bargeldkomplott«. Kontakt: post{at}hakonvon{Familienname}.de

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