Das bittere Ende seiner Freiheit bezahlt der Bürger bargeldlos

Das bittere Ende seiner Freiheit bezahlt der Bürger bargeldlos (Teil 1)

Bargeld unterliegt der zunehmenden Konkurrenz von digitalen, also bargeldlosen Bezahlweisen. Dazu gehören ältere Verfahren (EC-Karte, Kreditkarte) wie auch neuere (Mobile Payment mit Google Pay oder Apple Pay). Der Fortbestand von Bargeld ist heute eng damit verbunden, ob es von vielen Menschen geschätzt und weiterhin das wichtigste Zahlungsmittel im Alltag bleibt. Bricht seine Dominanz zugunsten der vielfältigen Formen des bargeldlosen Bezahlens, wird Bargeld schon bald nur noch im staubigen Keller öder Museen zu besichtigen sein. Genauso wie die Freiheit, von der sich der Bürger im selben Zug ein für alle Mal getrennt haben wird.

Wahltag ist Zahltag: Welche Welt wählen wir, wenn wir bargeldlos bezahlen?

Wenn wir kontaktlos und bargeldlos bezahlen, verlieren wir über kurz oder lang viele Freiheiten, die von Bargeld beschützt werden und mit der Bargeldabschaffung verloren gehen. Rufen wir uns zunächst ins Bewusstsein, was wir am Bargeld eigentlich haben:

Wenn wir etwas Nützliches tun, bekommen wir im Austausch Geld, verkörpert durch Münzen und Banknoten; wir haben also unsere Zeit und Energie eingebracht und dafür etwas bekommen. Mit unserem Geld können wir jetzt in einen Laden gehen und etwas kaufen, zu dessen Herstellung jemand anderes seine Zeit und Energie eingebracht hat. Der Verkäufer wird es uns für ein paar unserer Scheine bereitwillig geben.

So können wir fast überall hingehen und für unser bares Geld Produkte erwerben und Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Wir haben mit Münzen und Banknoten also etwas in der Hand, mit dem wir jederzeit auf die Energie und Zeit anderer Menschen zugreifen können, und auch etwas, das unsere eigene Zeit und Energie verkörpert, die wir einst für jemanden eingebracht hatten.

Wie die Freiheit dem bargeldlosen Bezahlen zum Opfer fällt

Durch die Abschaffung des Bargelds verlieren wir die Hoheit über unsere Energie, die wir als Banknoten und Münzen in den eigenen Händen halten und unter das Kopfkissen nehmen konnten. Unsere Lebensenergie bleibt in den digitalen Systemen der Banken eingesperrt und kann nur bargeldlos transferiert und zu Zahlungszwecken genutzt werden.

Damit verliert der Bürger einen der gewichtigsten Spielräume zur Wahrung seiner Handlungs- und Wirkungsmöglichkeiten im eigenen Leben. Er wird zugleich weniger Einfluss auf gesellschaftliche Prozesse, auf das Parlament und die Regierung nehmen und weniger Kontrolle ausüben können.

Übersicht über die mittelfristigen Folgen bargeldlosen Bezahlens

Mit der Bargeldabschaffung und dem darauffolgenden Zwang zur Nutzung bargeldloser Bezahlwege verlieren Sie im Wesentlichen folgende Möglichkeiten und Freiheiten:

1. Sie können nicht mehr wählen, ob Sie die Produkte von Banken wie die EC-Karte zum bargeldlosen und kontaktlosen Bezahlen verwenden möchten oder nicht. Sie müssen darauf zugreifen, weil kein anderes Zahlungsmittel von allgemeiner Akzeptanz zur Verfügung steht. Und die Bank wird Sie dafür Gebühren zahlen lassen, und zwar deutlich höhere als heute üblich. Wenn die Konkurrenz durch Bargeld nämlich beseitigt ist, kann die Gebührentabelle problemlos überarbeitet, also die Preise für das bargeldlose Bezahlen beliebig erhöht werden.

2. Sie brauchen zwingend ein Bankkonto bei einer zugelassenen Geschäftsbank, die dann mit Ihrem darauf befindlichen Geld arbeitet. Wenn Sie Glück haben, finden Sie einen Anbieter, der dabei ethische Maßstäbe anlegt. Wenn Sie noch mehr Glück haben, informiert Sie die Bank darüber hinaus, wo sie Ihr Geld hinfließen lässt. Sie werden jedoch nie mehr entscheiden, wer mit Ihrer Lebensenergie – Ihrem Geld – arbeitet, die seit der Bargeldabschaffung fortdauernd in das Bankensystem eingesperrt ist. Es unterliegt nicht Ihrer Kontrolle, welchen Projekten und Unternehmungen Ihr hart erarbeitetes Geld dient.

3. Mit jeder bargeldlosen Bezahlung, also jedem Energieaustausch mit anderen Menschen, geben Sie preis, wo Sie sich gerade aufhalten, welchen Personen und Geschäften Sie nahestehen, wie Ihr Tagesrhythmus gestrickt ist, ob Sie gerne mit größeren Einkäufen Vorsorge betreiben oder lieber häufig und wenig einkaufen. Sie werden mit jedem Kauf offenlegen, ob Sie vielleicht eine Schwäche für Mode haben oder intellektuell ausgerichtet sind. Von besonderem Interesse sind natürlich Ihre Spenden an kirchliche oder gar politische Organisationen. Wenn Letzteres in Ihrem Fall eine Rolle spielt, sollten Sie womöglich rechtzeitig darüber nachdenken, ein Basiskonto einzurichten. Denn Ihr Engagement könnte schnell mit den Geschäftsplänen und Wertevorstellung Ihrer Bank in Konflikt geraten und zu einer Kontosperrung oder sogar Kontokündigung führen. Und da ja das Bargeld abgeschafft ist, hat Ihre Bank auch das nötige Oberwasser dazu.

4. Nachdem Sie sich als potenzieller Whistleblower ob der mit der bargeldlosen Bezahlung verknüpften Aufklärbarkeit Ihres Aufenthaltsorts zweimal überlegt haben, ob Sie die Gesellschaft in die geheimen Absprachen zwischen Regierung und Finanzwirtschaft einweihen, entscheiden Sie in Anbetracht der gefährlichen politischen Entwicklungen doch zugunsten Ihres Gewissens. Aber schon an der ersten Tankstelle ist Endstation: Ihr Konto ist gesperrt und die Flucht gescheitert.

5. Die Bargeldabschaffung und die daraus resultierende Tatsache, dass jeder darauf angewiesen ist, bargeldlos bezahlen zu können, schafft der Regierung viele neue Möglichkeiten der Kontrolle über den Bürger, der Erziehung der Bevölkerung und der finanziellen Ausbeutung. Dem Erfindungsreichtum werden kaum Grenzen gesetzt sein:

Statt besser zu haushalten, kann der Finanzminister künftig über Nacht eine Vermögensabgabe durchführen. Am nächsten Morgen fehlen Ihnen 10% Ihres Geldes, Ihrer Energie. Und wenn Sie zivilen Ungehorsam geleistet haben – als Sie beispielsweise auf einem zentralen Platz trotz eines Verbots Flugblätter verteilt haben, um über die herrschenden Missstände aufzuklären –, zahlen Sie nicht nur eine Strafe von 50 Euro à 10 Tagessätze, man setzt ihnen sogar, als erzieherische Maßnahme, den Verfügungsrahmen über Ihr Kontoguthaben 10 Tage lang auf 15 Euro täglich herab.

Ein Blick nach China zeigt, dass solche Erziehungsmaßnahmen nicht weit hergeholt sind. 2014 beschloss der Staatsrat, ein Sozialpunktesystem zu etablieren. Wer sich gefällig verhält, erhält Pluspunkte, wer das Gegenteil tut, bekommt Abzugspunkte. Wer zu wenige Punkte hat, wird mit vielerlei Einschränkungen leben müssen. Eine Befragung ergab, dass 20% der Deutschen ein solches System für gut befindet.

Quelle: https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/sozialpunkte-deutschland-china-ueberwachung-1.4594816

China arbeitet derzeit an der Etablierung einer digitalen Währung, die mit der Abschaffung des Bargelds und einer faktischen Pflicht zum bargeldlosen Bezahlen einhergeht. Ein nichtgenanntes Mitglied des chinesischen Staatsrats sagte vor wenigen Tagen, dass China möglicherweise bereits 2021 seine digitale Währung etablieren wird.

Quelle der Aussage des Staatsrats: https://asia.nikkei.com/Spotlight/Cryptocurrencies/China-aims-to-launch-digital-yuan-by-2022-Winter-Olympics

Ein Bericht zur Digitalwährung in der Luzerner Zeitung: https://www.luzernerzeitung.ch/wirtschaft/digitale-waehrung-schafft-china-bald-das-bargeld-ab-ld.1216473

Das bittere Ende seiner Freiheit bezahlt der Bürger bargeldlos (Teil 2)

Bargeld unterliegt der zunehmenden Konkurrenz von digitalen, also bargeldlosen Bezahlweisen. Dazu gehören ältere Verfahren (EC-Karte, Kreditkarte) wie auch neuere (Mobile Payment mit Google Pay oder Apple Pay). Der Fortbestand von Bargeld ist heute eng damit verbunden, ob es von vielen Menschen geschätzt und weiterhin das wichtigste Zahlungsmittel im Alltag bleibt. Bricht seine Dominanz zugunsten der vielfältigen Formen des bargeldlosen Bezahlens, wird Bargeld schon bald nur noch im staubigen Keller öder Museen zu besichtigen sein. Genauso wie die Freiheit, von der sich der Bürger im selben Zug ein für alle Mal getrennt haben wird.

Welche Eigenschaften von Bargeld sind unersetzbar und gehen mit der Bargeldabschaffung verloren?

  1. Bargeld hilft uns, besser zu haushalten. Bargeld kann man fühlen, schmecken, riechen, sehen und kläppern oder rascheln hören. Wir haben daher gut im Gefühl, was wir von uns geben, wenn wir jemand unsere Scheine und Münzen im Austausch gegen ein Produkt oder eine Dienstleistung anbieten. Wenn wir bargeldlos mit Karte oder sogar kontaktlos bezahlen, geben wir nichts von uns. Wir sehen nur auf dem Kontoauszug oder dem Smartphone, dass wir jetzt nur noch über ein geringeres Kontoguthaben verfügen können, ohne zu überziehen. Aus diesem Grund ist Bargeld auch ein unersetzliches Lehrmittel für Kinder, um den guten Umgang mit Geld zu erlernen.

Kaum verwunderlich, dass Barzahler eine geringere Zahlungsbereitschaft oder, besser gesagt, Konsumbereitschaft zeigen. Denn wer bargeldlos bezahlt, spürt kaum mehr den Pain of Paying, den Schmerz des Bezahlens, wie Wissenschaftler ihn nennen. Dieses Phänomen steht seit über 20 Jahren im Interesse der Forschung und wurde vor Jahren von der Finanzindustrie als Argument verwendet, als sie die großen Handelsketten von der Einführung der Kartenbezahlinstrumente überzeugen wollte.

Der Weg in finanzielle Freiheit und Fülle ist daher auch ein Weg mit Bargeld, wie ich in meinen regelmäßigen Kursen über den richtigen und verantwortungsvollen Umgang mit Geld aufzeige.

Hier beispielhaft eine englische Studie zum Pain of Paying:

https://doi.org/10.1016/j.jretconser.2019.101910

 

  1. Mit Bargeld sind wir überall, mit jedem und zu jeder Zeit austauschfähig. Wir können dem Verkäufer eine Freude bereiten, wenn wir ihm spontan 1 Euro mehr in die Hand drücken, als er von uns hätte nehmen wollen. Wir haben einfach nur gespürt, dass uns seine Leistung mehr wert ist, und haben ihm unsere Dankbarkeit umstandslos zuteil werden lassen. Mit dieser kleinen Tat haben wir nicht nur die Welt, sondern auch uns und das Gegenüber ein wenig gesünder und glücklicher gemacht.

Die bitteren Folgen des bargeldlosen Bezahlens spüren wir erst, wenn es zu spät ist

Die möglichen Folgen des zunehmenden bargeldlosen Bezahlens machen sich wahrscheinlich erst langsam in unserem Leben bemerkbar. Und die heranwachsende Generation wird die Zeiten nicht kennen, wo es einmal anders gewesen ist und nicht vergleichen können.

Ein Blick nach Skandinavien zeigt, wie die Welt aussieht, wenn die Bargeldabschaffung schon ein paar Schritte weiter ist. Ein Haufen Geschäfte lehnt Bargeld gänzlich ab und viele öffentliche Toiletten funktionieren nur mit elektronischer Bezahlung und Erfassung ihrer Benutzer.

Quelle: https://www.npr.org/2019/02/11/691334123/swedens-cashless-experiment-is-it-too-much-too-fast

Das dürfte damit zu tun haben, dass dem Handel angesichts des Rückgangs der Barzahlungen und der Zunahme bargeldloser Bezahlvorgänge der Aufwand für die Bargeldinfrastruktur und die bürokratischen Hürden für Bareinnahmen zu hoch geworden sind. Denn schon 2015 bezahlten die Schweden 80% ihrer Einkäufe in Geschäften bargeldlos und 2018 bereits 87%. Eine vom schwedischen Handelsrat in Auftrag gegebene Untersuchung geht davon aus, dass ab dem 24. März 2023 mangels Rentabilität kein schwedisches Geschäft mehr Bargeld annehmen wird. Auf diesem Weg wird der Handel das Bargeld abschaffen; bargeldlos bezahlen wird unvermeidlich.

Quelle für die Barzahlrate 2015 (siehe Seite 99): https://www.riksbank.se/globalassets/media/rapporter/den-svenska-finansmarknaden/engelska/2016/rap_finansm_160831_eng.pdf

Quelle für die Barzahlrate 2018 (siehe Seite 4): https://www.riksbank.se/globalassets/media/statistik/betalningsstatistik/2018/payments-patterns-in-sweden-2018.pdf

Pressebericht zur Untersuchung des schwedischen Handelsrats: https://orf.at/stories/3135486/?utm_source=pocket-newtab

Interview mit den Forschern in Englisch: https://knowledge.wharton.upenn.edu/article/going-cashless-can-learn-swedens-experience/

Spätestens wenn Bargeld keine Akzeptanz mehr besitzt, wird dem Staat die Aufrechterhaltung der Bargeldinfrastruktur zu teuer, und die Bargeldabschaffung ist besiegelt. Dann droht uns eine Welt, wie ich sie mit den denkbaren Folgen des bitteren Endes unserer Freiheit skizziert habe. Bargeldlos bezahlen wird uns teuer zu stehen kommen.

Ein Diktator in der heutigen Welt würde das Bargeld umgehend abschaffen

Wenn wir zurückschauen in die Vergangenheit, zeigt sich ganz deutlich, dass Machtkonzentration in wenigen Händen, also Entmachtung des Bürgers und Entzug wichtiger Freiheiten, ganz fatale Auswirkungen hat. Diktaturen, Stichwort Staatsterror, haben derart viele Tote auf dem Gewissen, dass es sich nicht lohnt, auch nur einen Gedanken an die Gefahr des Terrorismus zu verschwenden. Der Mensch gewöhnt sich an reale Gefahren entwickelt aber eine regelrechte Panik wegen praktisch bedeutungslosen, jedoch unberechenbaren Bedrohungen. Wir sollten wachsamer hinhören, mit welchen Argumenten uns die Politik die Vorteile der Beschränkung von Bargeld verkauft.

Zahlen wir mit Bargeld, wählen wir seinen Erhalt; zahlen wir bargeldlos, wählen wir die Bargeldabschaffung

Lieber Leser, der Erhalt des Bargelds hängt maßgeblich von Ihrer Entscheidung ab: Zahlen Sie bar oder bargeldlos? Reinhard Mey warnte uns schon 1996: »Pass auf, dass du deine Freiheit nutzt! Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie NICHT nutzt.«

Wichtige Impulse erhalten Sie auch in meinem Buch »Das Bargeldkomplott«. Lesen Sie es und reichen Sie es weiter! Wenn in der Bevölkerung ein hohes Bewusstsein über den Wert von Bargeld entsteht, wird unser bestes Zahlungsmittel für die Zukunft erhalten bleiben.

Das Buch zum Thema

Die 5 Geldgesetze für Fülle und finanzielle Freiheit

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