EZB überführt Bankenkartell der Verbrauchertäuschung

Ein Kartell aus Banken und Zahlungsdienstleistern hat in großem Stil Konsumenten getäuscht. Mit irreführenden Botschaften machte es dem Verbraucher weis, die Verwendung von Bargeld trüge zur Verbreitung des Coronavirus bei. Damit hat die Finanzindustrie schon zu Beginn der Krise die Angst vor der Ansteckung im eigenen Interesse missbraucht. Eine Untersuchung der Europäischen Zentralbank und der Ruhr-Universität Bochum stellt nun klar: Scheine und Münzen bergen kein realistisches Ansteckungsrisiko.

Vize-EU-Kommissionspräsident bedankt sich bei Visa

In einem geleakten Schreiben vom 4. Mai 2020, das Bargeldverbot.info vorliegt, wendet sich der Kabinettschef von Vize-EU-Kommissionspräsident Valdis Dombrovskis an den Kreditkartenkonzern Visa:

»Danke für Ihre E-Mail vom 20. März 2020. […]. Ich stimme Ihnen zu, dass kontaktlose Zahlungen eine zentrale Rolle bei der Eindämmung der Ausbreitung der COVID-19-Seuche spielen. Wir unterstützen die Erklärung der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde vom 25. März und ermutigen alle Zahlungsdienstleister in der EU, den Grenzbetrag für kontaktlose Zahlungen auf 50 Euro zu erhöhen, wie es das EU-Recht vorsieht.«

Valdis Dombrovskis schrieb bereits am 26. März 2020 auf Twitter:

»Zeit, Münzen gegen Zahlungskarten zu tauschen – das ist sicherer bei der Eindämmung des #Coronavirus. Wir unterstützen die Bemühungen [der Europäischen Bankenaufsicht], kontaktlose Zahlungen zu erleichtern. Wir ermutigen alle Zahlungsdienstleister, die Limits für kontaktlose Zahlungen zu erhöhen, wie es das EU-Recht erlaubt.«

Und die Europäische Bankenaufsicht (EBA) legte am 3. April 2020 nach, um mit den nahezu selben Worten eine Lanze für die Abschaffung des Bargelds aus unserem Alltag zu brechen:

»Es ist an der Zeit, dass Sie Ihre Münzen gegen Zahlungskarten tauschen. Gut funktionierende Zahlungsdienste sind unerlässlich und #kontaktlose Zahlungen sollten verstärkt werden. #EBAvsCOVID19«

Mastercard macht Druck in Brüssel

Mit einem unveröffentlichten Positionspapier vom 15. April 2020 wendet sich Mastercard an die Europäische Bankenaufsicht und die EU-Kommission, um noch einmal für eine Deregulierung in Sachen kontaktloses Zahlen zu werben:

»Wir fordern die europäischen Regulierungsbehörden auf, auch eine höhere kumulative Grenze für kontaktlose Transaktionen zu empfehlen. Dies würde es ermöglichen, mehr Transaktionen ohne physischen Kontakt durchzuführen und somit die Verbreitung des Virus einzuschränken. […]. Kontaktlose Transaktionen begrenzen die Ausbreitung des Virus [.] Die Verwendung von Bargeld ist äußerst riskant. Der Umgang mit und der Austausch von Banknoten und Münzen trägt zur Verbreitung des Virus bei. […]. Kontaktlos ist die sicherste Zahlungsmethode. Kontaktlose Zahlungen können die Verbreitung des Virus einschränken, indem sie für soziale Distanz sorgen. […]. Kontaktlose Transaktionen begrenzen die Verbreitung des Virus, solange der Karteninhaber die PIN nicht am Terminal eingeben muss.«

Erst nach dieser Tirade, die Mastercard seinem Papier vorangestellt hat, folgt auf drei Seiten, was der Kreditkartenkonzern von der Politik will.

Mastercard setzt sich für die Bargeldabschaffung ein

Mastercard setzt sich seit langem schon offen für die Abschaffung des Bargelds ein. Über Jahre erzeugte der Konzern weltweit wirksam Ekel vor Banknoten, um die bargeldlose Zahlungsweise attraktiver zu machen und mehr Geld mit Kreditkartentransaktionen zu verdienen. In 2013 organisierte Mastercard eine kleine Untersuchung in einem Labor der Universität Oxford. Dabei entdeckte man eine lächerlich geringe Zahl von Bakterien auf den Geldscheinen verschiedener Zentralbanken. Mikroben sind allgegenwärtig in unserem Alltag und in vielen Fällen sogar unverzichtbar. Da diese Hintergründe aber wenig bekannt sind, konnte das Unternehmen rund um den Globus erfolgreich den Gedanken nähren, Bargeld wäre besonders dreckig. Damit schuf Mastercard das Fundament für eine rasche Beschleunigung der Bargeldabschaffung aus unserem Alltag. Die setze dann im Frühjahr 2020 ein, als die Idee der Übertragbarkeit des Virus international durch die Medien ging und von einflussreichen Konzernen aktiv geschürt wurde.

Die Banken machen mobil für die bargeldlose Zahlung

Die EURO Kartensysteme GmbH ist Kommunikationsdienstleister für deutsche Privatbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Sie bewirbt zum Beispiel die Marke Girocard, deren Symbol auf fast jeder Bankkarte prangt. Anfang 2020 begann man eine aggressive Kampagne für die bargeldlose Zahlung:

»Wer sich und den Menschen, die an der Kasse arbeiten, einen Gefallen tun möchte, sollte in diesen Tagen eher zur Karte greifen und am besten sogar kontaktlos oder mit dem Smartphone bezahlen.«

Girocard betonte vor allem, dass eine Kartenzahlung schnell vonstatten geht:

»Wer heute mit Karte zahlt, sorgt für einen sicheren, schnellen und hygienischen Bezahlvorgang und davon profitieren Kunden sowie Kassenpersonal.«

Tatsächlich ermittelte die Deutsche Bundesbank 2018/2019, dass eine bargeldlose Zahlung mit Karte gar nicht so schnell ist:

»Eine durchschnittliche Bezahlung an der Ladenkasse dauert der Studie zufolge rund 22 Sekunden. Bei der Kartenzahlung mit PIN-Eingabe sind es rund 29 Sekunden […].«

Girocard stattete den Handel außerdem mit Werbematerial aus, alles unter dem Motto »Mit Karte, bitte!«. Daneben nahm man von »Zeit Online« ein Werbeangebot an und richtete dort eine redaktionell gestaltete Internetseite ein: Ganz oben leuchtet der Schriftzug der bekannten Zeitung. Der Hinweis, dass es sich um Werbung handelt, findet sich nur klein gedruckt – so konnte das Prestige des Mediums abfärben.

Und schließlich veröffentlichte Girocard mit dem Discounter Lidl die »6 Regeln für korrektes Verhalten beim Einkaufen«; »Mit Karte, bitte!« ist eine davon.

Ein knappes Jahr später durfte Resümee gezogen werden:

»Die girocard bleibt auch in dem von der Corona-Pandemie bestimmten Jahr auf Erfolgskurs: Mit knapp 5,5 Milliarden Transaktionen im Jahr 2020 erreichte sie an der Kasse einen neuen Höchststand. Im Vergleich zum Vorjahr wurde sie rund eine Milliarde mal häufiger gezückt […].«

Wie die ING-Bank für die Bargeldabschaffung wirbt

Die ING-Bank gehört mit einer Bilanzsumme von mehr als 1000 Milliarden Dollar zu den 25 größten Bankhäusern der Welt. Sie ist finanzkräftiger als Goldman Sachs und die Schweizer UBS. Der Geldkonzern gilt als systemrelevant, als unverzichtbar für den Fortbestand des globalen Finanzsystems. Eine solche Stellung erfordert verantwortungsvolles Handeln. In der Praxis aber verschreibt sich die ING der Gewinnmaximierung und dem Kampf gegen ihre Konkurrenz: Wer in Google zum Beispiel nach den Stichworten »Bargeld« und »dreckig« sucht, der stößt sofort auf den Beitrag »Macht mich mein Geld krank?«. Hier erzählt Ihnen die ING, warum Sie sich die Bargeldabschaffung herbeisehnen sollten. Zuerst erwartet den Leser ein Foto von einer Mutter, die ihrem Sohn die Hände wäscht, und dann geht es auch schon los:

»Schon mal drüber nachgedacht? Geldscheine wechseln tausendfach den Besitzer – können die Keime Sie krank machen? Hier gehts zur Antwort[.] Wie schmutzig ist Geld? Das lässt sich klar beantworten: Es ist sehr schmutzig.«

Nach einer Gruselgeschichte über resistente Bakterienstämme erfährt der interessierte Leser endlich, was ihn eigentlich interessiert hat: Nein, Bargeld beherbergt kein besonderes Risiko der Ansteckung mit dem gefürchteten Virus, weiß die ING zu sagen; bargeldloses Zahlen bietet keinen Vorteil. Aber das macht die Bank nicht verlegen:

»Auch wenn Sie sich durch einen Geldschein vermutlich keinen Virus einfangen – die Keime möchten Sie sicher trotzdem nicht mit sich herumtragen. Dazu ein Tipp: Zahlen Sie einfach mit Karte statt Bargeld.«

Die Europäische Zentralbank klärt auf

In Zusammenarbeit mit Forschern der Ruhr-Universität Bochum überprüfte die EZB jüngst, ob der Gebrauch von Bargeld für Infektionen mit dem Coronavirus verantwortlich sein kann. Ihre Studie wurde am 20. August 2021 in der Fachzeitschrift iScience publiziert und kann öffentlich eingesehen werden.

Untersucht wurde, ob eine Ansteckung möglich ist, wenn eine Banknote durch Anhusten befeuchtet und mit einer großen Menge Viren übersät wird. Schon allein das ist ein unwahrscheinliches Szenario, wie die Autoren selbst schreiben:

»Da Bargeld in der Regel sicher in Brieftaschen und Geldbörsen aufbewahrt wird, scheint das Risiko einer direkten Kontamination durch ausgeatmete Tröpfchen und Aerosole viel geringer als bei ständig exponierten Oberflächen (z.B. Türklingel, Einkaufswagen).«

Denkbar wäre auch, dass jemand in der Nase gebohrt hat und sich mit einem Geldschein die Finger sauber macht, aber auch das kommt in der Praxis eher selten vor. Und da Euro-Banknoten die Eigenschaft haben, Feuchtigkeit rasch aufzusaugen und abzutransportieren, sinkt die Zahl der nachweisbaren Viren innerhalb kürzester Zeit. Das kann zum einen damit zu tun haben, dass die Viren absterben, weil sie ausgetrocknet werden, und zum anderen damit, dass sich bei Berührung einer abgetrockneten Oberfläche wesentlich weniger Viruspartikel dem Finger anhaften wollen.

Die Studie der Forscher kommt zu dem Ergebnis, dass wenn eine Banknote tatsächlich regelrecht mit Viren befeuchtet wird, und zwar in einer realistischen Anzahl, dass dann die Zahl infektiöser Coronaviren innerhalb einer Stunde unter die Nachweisbarkeitsgrenze sinkt.

Und dabei ist sowieso offenkundig, dass Geldscheine am ehesten noch dann in Kontakt mit Viren kommen, wenn Menschen sie anfassen. Und das sind dann nur sehr geringe Mengen Viruspartikel, die sich von den Fingern ablösen würden und der Banknote anhaften. Baumwollbasierte Scheine, wie es beim Euro der Fall ist, sind schließlich ausgesprochen porös und damit schlecht in der Lage, Mikroben zu übertragen. Das hatte schon eine Studie in der Vergangenheit an den Tag gefördert.

Damit eine Ansteckung überhaupt in Betracht gezogen werden kann, bräuchte es also, wie die Forscher schreiben, »eine zeitliche Abfolge spezifischer Ereignisse«. Und diese Ereignisse sind alles andere als wahrscheinlich:

»[…] eine ausreichende Menge lebensfähiger Viren, die sich auf einer Oberfläche ablagern, das Überleben des Virus, bis die Oberfläche berührt wird, die Übertragung einer infektiösen Virusdosis auf die Finger und die Übertragung von den Fingern ohne Händewaschen auf Mund, Nase oder Augen.«

Euro-Münzen wiederum stehen hinsichtlich der Hygiene ohnehin weniger im Fokus als Banknoten, weil sie sich durch einen hohen Kupfergehalt auszeichnen. Dieses Metall wirkt stark antibakteriell und antiviral.

Es war schon lange bekannt: Eine Bargeldabschaffung macht die Welt nicht gesünder

3. März 2020, Christian Drosten im NDR:

[…] das auf dem Geldstück lebende Virus – das würde ich mal weitgehend vergessen, denn das sind gehüllte Viren. Diese gehüllten Viren sind gegen Eintrocknung extrem empfindlich. […]. Diese Viren sind weniger eintrocknungsstabil. Und die müssen auch mehr in den Hals als in die Nase. Und wir stecken uns nicht den Finger in den Hals. Wir stecken uns den Finger an die Lippen oder in die Nase.«

11. März 2020, Lothar Wieler, Leiter des Robert-Koch-Instituts, in einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters:

»Der Umgang mit Geldscheinen stellt nach Angaben des Leiters des […] Robert-Koch-Instituts (RKI) […] kein besonderes Risiko für eine Ansteckung […] dar. ›Die Übertragung des Virus durch Banknoten hat keine besondere Bedeutung‹, sagte RKI-Chef Lothar Wieler der Nachrichtenagentur Reuters […]«

17. März 2020, René Gottschalk, Infektiologe, Leiter des Gesundheitsamts der Stadt Frankfurt am Main und WHO-Experte, auf einer Pressekonferenz der Deutschen Bundesbank:

»Es ist im Prinzip völlig egal, wie lange Krankheitserreger auf Oberflächen überleben können. Entscheidend ist: Ist das ein Infektionsweg? Und der ist […] eben dieser nicht. […]. Geldscheine sind besonders geeignet eigentlich, Krankheitserreger gar nicht erst zur Übertragung kommen zu lassen.«

Jetzt teilen und damit helfen

Das Buch zum Thema

Die 5 Geldgesetze für Fülle und finanzielle Freiheit

Das aktuelle Buch zum Thema


 

Bargeld ist tot! … unsere Freiheit stirbt mit.

Dieses düstere Bild verdichtet sich immer mehr bei Wissenschaftlern und auch in den Medien – das Bild einer unfreien, fremdbestimmten und ferngesteuerten Gesellschaft. Der Autor entlarvt in seinem Buch detailliert die Hintergründe der schleichenden, aber keineswegs zufälligen Abschaffung des Bargelds und skizziert deren verheerende Folgen.

Mehr als 100 Grafiken ermöglichen es auch Laien, die komplexen Zusammenhänge leicht zu verstehen. Dabei folgt Hansjörg Stützle seinem Anspruch, nicht nur aufzuklären, sondern auch Lösungen aufzuzeigen. So beleuchtet er die Bargeldabschaffung auch aus dem Blickwinkel der morphischen Felder. Dieser Perspektivenwechsel schafft Raum für Hoffnung und bietet jedem Einzelnen die Chance, ein wichtiger und unverzichtbarer Teil der Lösung zu sein.

Leseprobe anschauen

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.