Eindrücke von der Petitionsübergabe in Straßburg

Mit 350.000 Unterschriften im EU-Parlament: Am 20. Mai trafen Hansjörg Stützle und Hakon von Holst Politiker diverser Parteien in Straßburg. Wie haben sie den Tag erlebt? Ein Bericht. Von Hakon von Holst, 05.06.2026.

Das Empfangskomitee vor dem EU-Parlament lehrt einen das Fürchten: Die Spezialeinheit CRS steht mit Maschinenpistole Wache. Für den Besuch sind wir längst akkreditiert. Trotzdem bleibt uns der Zutritt verwehrt. Der Pförtner telefoniert mit der parlamentarischen Assistentin. Sie bahnt sich den Weg aus einem der unzähligen Büros zum Eingang. Jetzt verhandeln die beiden auf Französisch über eine Lösung.

Das Problem ist unsere Petition: 18 Stapelkisten mit 350.000 Unterschriften auf einem Rollwagen und einer Sackkarre – für den europaweiten Schutz von Bargeld. Wir haben Glück: Eine halbe Stunde später fahren wir durch den Liefereingang. Aber die Eintrittskarte gilt nur für die Petition, nicht für uns. Wir müssen also wieder hinaus, erhalten unsere Ausweisdokumente zurück und stellen das Auto in einem Parkhaus ab.

Als Mensch haben wir den normalen Eingang zu nehmen. Nach der flughafenähnlichen Sicherheitskontrolle tragen wir Zugangsausweise mit Mikrochip. Damit lassen sich die Drehkreuze im Parlament passieren. An jeder Ecke warten solche Zutrittsschleusen. Auf den ersten Metern funktioniert das gut. Im Lieferbereich nehmen wir die Unterschriften wieder in Empfang und passieren das nächste Drehkreuz mit Rollwagen – ein schriller Ton alarmiert das Sicherheitspersonal.

Wir hätten eine halbe Stunde vor dem Termin am Haupteingang erscheinen sollen, hieß es. Wäre Hansjörg Stützle nicht in weiser Voraussicht zwei Stunden eher da gewesen, hätte keine Unterschriftenübergabe stattgefunden. Nach all den Strapazen traf er in Begleitung der parlamentarischen Assistentin und seiner Lebenspartnerin Mariana auf die Minute genau um 10 Uhr im Forum ein. Hier entstand das Bild mit Engin Eroglu von der Partei Freie Wähler.

Ich selbst kam zu spät zum Fototermin. Denn die Assistentin konnte nicht an zwei Orten gleichzeitig sein. So holte mich niemand am Eingang ab. Wie ich so wartete, lief mir plötzlich Ursula von der Leyen frontal entgegen. Sie stieg ein in eine der zahllosen Limousinen mit belgischem Kennzeichen. Eine pechschwarze Autokolonne rollte davon, eskortiert von der Polizei. Die Körperhaltung der Kommissionspräsidentin war so steif, als hätte sie sich in ein Korsett gezwängt.

Mit einer Viertelstunde Verspätung traf ich am Ziel ein, aber pünktlich zum gemeinsamen Gespräch. Wir waren gespannt, wie sich Engin Eroglu präsentieren würde. Denn im EU-Parlament ist seine Partei Teil der Fraktion Renew. Auch die deutsche FDP gehört der Gruppe an sowie die Renaissance, also das Lager um Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron.

Im Gegensatz zu allen anderen Fraktionen überwiegt in der Renew die Ablehnung gegenüber einer Bargeld-Annahmepflicht im Einzelhandel. An diesem Punkt versuchten einige von Eroglus Kollegen den Schutz des Bargelds sogar zu schwächen. Eroglu selbst stellte nur einen Änderungsantrag zur geplanten Bargeld-Verordnung: Unbemannte Verkaufsstellen einschließlich »Fahrausweisautomaten, Parkuhren, Selbstbedienungstankstellen« sollen bargeldlos betrieben werden dürfen. Wir fordern auch hier das Gegenteil.

Unser Gespräch lenkte Eroglu auf den digitalen Euro. Er steht dem staatlichen Währungsprojekt sehr kritisch gegenüber. Der Politiker glaubt, das Zahlungsmittel würde nach seiner Einführung sowohl private Angebote wie Girocard und Kreditkarte verdrängen, aber auch das Bargeld. Denn für Einzelhändler sei der digitale Euro preiswerter als alles andere. Weshalb? Weil die Europäische Zentralbank das Projekt auf ihre Kosten subventioniere.

Ein Digital-Euro würde also in Konkurrenz mit anderen elektronischen Zahlungsmitteln treten. Das senkt deren Preis. Für die Bargeldeinzahlung nehmen Banken schon jetzt immer höhere Gebühren. Händler als Leidtragende könnten dann Digital-Euro-Zahlern Rabatt gewähren oder dazu übergehen, Bargeld und andere Zahlungsmittel abzulehnen. »Die Kosten sind tödlich«, unterstrich Eroglu. Aus diesen Gründen, hörten wir heraus, muss es bei Einführung eines digitalen Euros auch eine Bargeldannahmepflicht geben. Unter anderen Umständen hätte der Freie-Wähler-Politiker die Frage anders beurteilt.

15 Minuten später finden wir uns in einem Café ein. »Sind Sie auch seit 1994 im EU-Parlament?«, frage ich den Assistenten, der uns hierher begleitet hat. Er lacht, damals sei er noch im Kindergarten gewesen. Wir warten auf Markus Ferber, CSU, das Urgestein unter den Abgeordneten. Im Währungsausschuss sitzt er der EVP vor; sie ist mit Abstand die größte Fraktion im Parlament. Das Gespräch verläuft freundschaftlich. Ferber will, dass nicht nur der private Anbieter, sondern genauso der Staat Bargeld akzeptiert. »Da haben Sie mich voll an Ihrer Seite«, sagt er.

Ferber beteiligt sich mit vielen Änderungsanträgen am Gesetzgebungsprozess. Er möchte auch das Vorwort zur Verordnung anpassen. Bisher steht dort, dass Nationalstaaten weiterhin Ausnahmen von der Bargeldannahmepflicht einführen dürfen. Dieser Passus soll verschwinden. Als Absicht des Gesetzgebers möchte Ferber stattdessen herausheben, dass »insbesondere öffentliche Einrichtungen Bargeld als Zahlungsmittel annehmen«. Allerdings mit einem Zusatz: »ohne dass es zu unzumutbaren Belastungen kommt.« Ob es heute noch als zumutbar gilt, wenn der Busfahrer Bargeld kassieren muss, kann uns Ferber auch nicht sagen.

Der CSU-Politiker bekommt allerlei Argumente gegen den Schutz des Bargelds zu hören. Vom Finanzministerium über die Banken bis hin zu Politikerkollegen: Alle stehen vor der Tür und tragen ihre Interessen vor. Insgesamt sei der Kampf für das Bargeld »ein schwerer Kampf«, resümiert Ferber. Wir bemühen uns im Gespräch, den Kriegergeist zu stärken. Am Ende erhält Ferber wie alle anderen Politiker unsere zentralen Positionspapiere: »13 Punkte zur Verbesserung der EU-Bargeld-Verordnung« und »Die Ungleichbehandlung des Bargelds gegenüber dem digitalen Euro«.

Nächste Station: der Satiriker Martin Sonneborn und die Schriftstellerin Sibylle Berg, beide fraktionslose Abgeordnete von Die PARTEI. Aufgrund eines Missverständnisses über das richtige Café verlieren wir 15 Minuten. Sonneborn geht uns deshalb verloren, aber mit Sibylle Berg erleben wir eine begeisterungsfähige Person, die sofort auf das Du wechselt. »Großartig«, »vielen Dank für diese Arbeit«, sagt sie und hilft, die 18 Stapelkisten voller Unterschriften für ein gemeinsames Foto aufzubeigen. Ihr ist wichtig, dass das Bargeld einen guten gesetzlichen Schutz erhält, keinen schlechteren als der digitale Euro.

Weiter gehts. Mit unseren Zugangsausweisen gelangen wir an einen Ort, der für normale Besucher geschlossen bleibt. Hier laufen Mitarbeiter von Nachrichtenagenturen vorbei, hier stehen Politiker vor der Pressewand, umringt von Fernsehteams.

Am Eingang zum Plenarsaal wartet Fabio De Masi vom BSW, ebenfalls fraktionslos. Obwohl er zu den ersten Befürwortern der elektronischen Währung zählte, bewertet er das Projekt derzeit kritisch. Sein Ideal von einem Digital-Euro sieht anders aus. Außerdem dürfe das Bargeld nicht verdrängt werden. Zu dessen Schutz brachte der BSW-Politiker mehrere Änderungsanträge ein: So soll die Europäische Zentralbank dem Vorbild der österreichischen Notenbank folgen und selbst Geldautomaten in unterversorgten Gebieten aufstellen.

Nach ein paar Problemen mit dem Aufzug stehen wir um 15:30 Uhr wieder an der frischen Luft – ich, Hansjörg Stützle und Mariana. Diskussionen mit dem Pförtner bleiben uns erspart. Die Unterschriftenkisten sind beklebt mit einer passenden Symbolik: das Geben und Nehmen bei einer Barzahlung. Nur eine Frage stellt der Pförtner: Sind die Kisten voll von …? Er deutet auf den 20-Euro-Schein. »Nicht ganz«, antwortet Hansjörg Stützle und verschwindet mit dem Rollwagen durch den Behindertenausgang.

Epilog: Engin Eroglu berichtete auf Facebook und in einer Pressemitteilung von der Petitionsübergabe. Er betonte: »Entscheidend ist jetzt, dass die Verordnung konsequent ausgestaltet wird; gerade staatliche Stellen dürfen keine Ausnahmen erhalten.« Sibylle Berg kommentierte am 31. Mai einen Ausfall beim Zahlungssystem Twint in der Schweiz. »Nutzt Bargeld; gewöhnt euch wieder daran«, schrieb Berg auf Twitter (X). Fabio De Masi veröffentlichte ein Video von der Begegnung mit uns im Parlament. Wir selbst informierten mehr als 600 Journalisten und Redaktionen mit einer eigenen Presseerklärung.

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Mehr als 100 Grafiken ermöglichen es auch Laien, die komplexen Zusammenhänge leicht zu verstehen. Dabei folgt Hansjörg Stützle seinem Anspruch, nicht nur aufzuklären, sondern auch Lösungen aufzuzeigen. So beleuchtet er die Bargeldabschaffung auch aus dem Blickwinkel der morphischen Felder. Dieser Perspektivenwechsel schafft Raum für Hoffnung und bietet jedem Einzelnen die Chance, ein wichtiger und unverzichtbarer Teil der Lösung zu sein.


Krieg gegen das Bargeld

Wer hat ein Interesse an der schleichenden Abschaffung des Bargelds? Geht es tatsächlich um die Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus, oder steckt viel mehr dahinter? Wer sind die Akteure in Politik und Finanzwirtschaft, und welche Methoden benutzen sie? Was würde die weltweit geplante Einführung staatlicher Digitalwährungen bedeuten? Und: Was können wir gegen die Einschränkung unserer Freiheit tun?

»Freiheit beginnt in der Hosentasche – und sie kann dort enden. Dieses unterhaltsame und gleichzeitig sachkundige Buch räumt auf mit dem Mythos vom überholten Bargeld. Eine Pflichtlektüre für alle mündigen Bürger.« Prof. Dr. habil. Dirk Löhr, Ökonom

»›Krieg gegen das Bargeld‹ ist ein hervorragend recherchiertes, augenöffnendes Buch, das trotz des ernsten Themas angenehm zu lesen ist.« Dr. Norbert Häring, Wirtschaftsjournalist

14 Kommentare

  1. Vielen Dank für die Übergabe, die Gespräche und den Bericht aus Brüssel! Da sieht man erst, wie extrem anstrengend diese Aktion gewesen sein muss, und wie es dort ganz real zugeht. Darüber erfährt man ja sonst kaum etwas.

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  2. Ich finde es sehr wertschätzend, wie sie und einige Andere sich einsetzen und was sie so auf sich genommen haben. Es hört sich an, wie in einem schlechten Film. DANKE DANKE vielmals für die tolle Arbeit, die sie Alle leisten. Gruß Petra aus Dreieich

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  3. Herzlichen Dank,

    auch im Namen meiner Kinder und Enkelkinder.
    Und den Bewohnern von Altersheimen und Einrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigungen aller Arten, Obdachlose und Marktstandbetreiber

    für euer Engagement 💖 den Weg auf euch zu nehmen.

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    • Vielen Dank Herr Stützle&Team,

      Es ist in der komplexen Welt voller wichtiger (und scheinbar wichtiger) Dinge schon als weitblickend zu bezeichnen den Erhalt des Bargelds weit oben auf die Agenda zu setzen.

      Trotzdem wundert es mich, dass bei einem so lebensnahen Thema wie (Bar)Geld die Menschen nicht viel mehr intuitiv und oder intellektuell begreifen wie sehr es verwoben ist mit Freiheit und Souveränität.
      Wir leben vor allem in digitaler Hinsicht wie der Frosch im langsam aufkochenden Wasser….

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  4. Aus tiefstem Herzen danke ich euch für euren Mut und eure Entschlossenheit, in dieser Kairoszeit – nur eurem Gewissen folgend -euch bis zur Erschöpfung für die Freiheit und Würde von uns und zukünftigen Generationen einsetzt!

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  5. Ich bin sehr beeindruckt von Ihrer Beharrlichkeit, Herr Stützle und der Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Meine Hochachtung für diese Aktion. Und wie schön, dass Sie dies hier alles berichtet haben, mit Fotos. Herzlichen Dank. Ich freue mich schon daran, dass das Bargeld weiterhin benutzt werden „darf“.

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  6. es ist zwar äußerst löblich wie sich manche menschen für den erhalt div dinge einsetzen. nur habe ich den glauben in dieses korrupte system verloren. und ja die eu ist korrupt siehe nur die “ wahl von der leyen“ die gar nicht auf dem wahlzettel stand. sie lachen dir ins gesicht und hintenrum stoßen sie dir das messer hinein.
    trotzdem danke an alle für diese petition.

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  7. Lieber Herr Stützle und Mitstreiter vor Ort, vielen Dank für Ihren fantastischen Einsatz und Ihren tapferen Kampf mit der EU-Bürokratie! Ich habe manche EU-Organe beruflich kennengelernt und weiss, dass nur Beharrlichkeit und Trotz zum Ziel führen. Nicht aufgeben ist die Devise – vermutlich können wir selten gegen dieses undemokratische und den Bürger ausschliessende System gewinnen, aber wir können Entscheidungen definitiv verzögern. In diesem Sinne, nochmal einen riesigen Dank für alles, was Sie zum Bargelderhalt tun.

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  8. Sehr gut, es ist geschafft, dass mal über 350.000 Unterschriften Richtung EU angekommen sind. Diese 350.000 stehen für Millionen Menschen in Europa, die KEINE Technokraten-EU wollen. Bargeld bedeutet Freiheit.
    Gerade heute las ich in einer Wochenzeitung, dass in Stuttgart die Busse des ÖPNV ab Juli 2026 kein Bargeld mehr annehmen. Man muss sich nun die Fahrkarten an Automaten kaufen (so denn an jeder Haltestelle sich Automaten befinden), oder sonst wo herzaubern. Ein Skandal und ganz bestimmt ein Weg in die falsche Richtung. Es sitzen in den Behörden falsch orientierte Leute, die eifrig daran arbeiten, den Orwell-1984-Staat herbei zu führen. Dagegen muss man sich wehren.

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  9. DANKE!!!!!!

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  10. Auch von mir herzlichen Dank für Ihr Engagement !!!!

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  11. Vielen herzlichen Dank, lieber Herr Stützle und Team, dass Sie so viel Arbeit und Zeit für das Anliegen einsetzen, das Bargeld (mindestens) gleichberechtigt neben elektronischen Zahlungsmittel erhalten bleibt!

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  12. ..wirklich unbezahlbarer einsatz von zeit ,kraft und energie für diese mamutaufgabe des erhalts unseres bargeldes ,tolle leistung Hansjörg !

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  13. Sehr geehrter Herr Stützle,

    für Ihren bewundernswerten Einsatz ein von Herzen kommender Dank Ihnen und Ihren Mitstreitern. . Sie haben den Mut und hoffentlich weiterhin die Kraft, uns vor dem zu bewahren, was eigentlich die Aufgabe unserer Volks(ver)treter wäre.
    Mögen Sie beschützt sein!
    Ilse Grebner

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