Junge Menschen steigen auf Bargeld um

Banknoten und Münzen verleihen Kontrolle über die eigenen Ausgaben. Die jüngste Generation Erwachsener in den USA hat das Potenzial erkannt. Währenddessen arbeitet Finanzdienstleister Visa an einer bargeldlosen Gesellschaft. Und lockt den Einzelhandel mit dem Argument, dass Kartenzahler mehr konsumieren. Von Hakon von Holst, 05.06.2023.

Brett Scott ist eine international bekannte Stimme für das Bargeld. Sein Buch »Cloudmoney«, eine Kritik an der Digitalisierung des Bezahlens, wurde in diverse Sprachen übersetzt. Scott hat die Fähigkeit, in einfachen Bildern zu sprechen: »Die digitale Zahlungsbranche möchte die Leute glauben machen, dass Bargeld versus Karte das Gleiche ist wie Pferdekarren gegen Sportwagen«, schreibt er. Doch nein, Bargeld sei das Fahrrad in einer Auto-überfüllten Stadt – immer allzeit mobil. Die digitale Zahlung eher ein Taxi, das nur kommt, wenn du es mit dem Smartphone herbeirufst, und nur fährt, wenn jemand dafür zahlt.

Und manchmal hat selbst das keinen Zweck: Die niederländische Supermarktkette Albert Heijn soll zwar als erste in Europa auf den Trend aufgesprungen sein, bargeldlose Selbstbedienungsläden zu eröffnen. Doch gegen Störungen an der Kasse ist das Unternehmen nicht gefeit: Immer wieder streikt kurzfristig das Kartenbezahlsystem, zuletzt am 2. Mai 2023. Auch Lidl-Filialen waren betroffen (1).

Umso schöner, dass Banknoten und Münzen in frischem Glanz strahlen. Junge Menschen in den USA entdecken den Nutzen von Bargeld neu. Die gute alte Umschlagmethode ist zurück – bedeutet in der Praxis:

  1. Für jeden Lebensbereich ausrechnen, wie hoch die notwendigen Ausgaben im Monat sind: Lernmittel, Haushaltswaren, Drogerieartikel, Ernährung, Garderobe …
  2. Ein Schubladenschränkchen oder Briefumschläge bereithalten, um für jeden Budgetposten eine Ablagemöglichkeit für Bargeld zu schaffen. Beschriften nicht vergessen.
  3. Zu Monatsbeginn Banknoten abheben und auf die Kuverts oder Schubladen verteilen. Wer es noch übersichtlicher mag, verwendet stattdessen durchsichtige abheftbare Blatt-Reißverschlusstaschen im DIN-A6-Format, gesammelt in einem Ordner.
  4. Den zum Überleben nicht notwendigen Anteil am Arbeitseinkommen zum Sparen zurücklegen.
  5. Nicht vergessen, einen Budgetposten für unvorhergesehene Kosten einzurichten.
  6. Vor dem Einkaufen einen Blick in Schubladen oder Kuverts werfen.
  7. Nach dem Einkaufen den aus dem Portemonnaie bezahlten Betrag aus den Briefumschlägen beziehungsweise Schrankfächern zurückholen und in den Geldbeutel legen.
  8. Vor Online-Überweisungen nachsehen, wie viel Banknoten für den betreffenden Ausgabenbereich übrig sind. Den Zahlungsbetrag aus dem Briefumschlag entnehmen und auf einen Reserveposten legen.
  9. Zum nächsten Monatsbeginn füllt man die Briefumschläge wieder bis zum budgetierten Betrag. Dazu kann das Geld vom Reserveposten verwendet werden, ergänzt durch Barabhebungen am Bankautomat.
  10. Immer dem Grundsatz folgen: »Zuerst sparen, dann ausgeben.«

Für diese Praxis hat sich der Begriff »Cash Stuffing« etabliert, deutsch: Bargeld stopfen. Auf der Videoplattform Tiktok verzeichnet das Schlagwort 1,1 Milliarden Aufrufe. Hier nämlich berichten sich junge Erwachsene gegenseitig von ihren jüngsten Sparerfolgen. Und auch die Presse ist aufmerksam geworden: Nachdem die Bewegung auf Deutschland überschwappte, berichteten Medien wie Focus und Tagesschau. Die Redakteure konnten es sich nicht verkneifen, zu erwähnen, dass man genauso gut mit digitalen Haushaltsbüchern den Überblick behalten könnte.

Diese Annahme jedenfalls geht an der Lebensrealität vorbei. Denn Sparen muss Spaß machen. Dann geht es auch viel leichter. Bargeld ist wie geschaffen dafür. Computerprogramme und Handy-Apps sind ein unvollkommener Ersatz. Wer in der aktuellen Krise in eine finanzielle Notlage gerutscht ist, wird die Körperhaftigkeit von Banknoten und Münzen schätzen: Bargeld ist zählbar, teilbar, anfassbar. Es produziert ein spezifisches Geräusch, besitzt einen bestimmten Geruch. So gewinnt man ein Gefühl dafür, was man sich leisten kann. In einer Stresssituation ist es aussichtslos, sich mit einem digitalen Haushaltsbuch zu beschäftigen. Darauf muss man sich konzentrieren können.

Kaum verwunderlich, dass eine eben erschienene Befragung des Bankenverbands zum Ergebnis hat: 75 Prozent derer, die mit weniger als 1500 Euro im Monat auskommen müssen, antworten, dass sie »beim Einkaufen in Geschäften lieber mit Bargeld« zahlen. Bei denen, die mehr als 3500 Euro haben, greifen nur 40 Prozent bevorzugt zu Scheinen und Münzen.

Renaissance für das Bare

Das Magazin Fortune zitiert Emily aus England. Sie stieß im November 2022 auf eines der vielen Cash-Stuffing-Videos. Bis dato lebte sie von Gehaltszahlung zu Gehaltszahlung. Die 26-Jährige begann zu budgetieren und konnte innerhalb weniger Monate 9000 Dollar Schulden abbauen. Jetzt spart sie für einen Traum.

In den USA wissen 72 Prozent der 18- bis 26-Jährigen von der Cash-Stuffing-Methode, 30 Prozent von ihnen nutzen sie. Das geht aus einer Umfrage des Finanzunternehmens Credit Karma hervor, durchgeführt im März 2023. 89 Prozent sagen, dass ihnen Cash Stuffing geholfen hat, mehr Geld zu sparen; 70 Prozent antworten, dass sie ihre monatlichen Ausgaben senken konnten. Darüber hinaus geben 69 Prozent der 18- bis 26-Jährigen an, inzwischen mehr Bargeld zu verwenden als 12 Monate zuvor. 64 Prozent der jungen Barzahler stimmen überein, dass ihnen Banknoten und Münzen helfen, die Ausgaben zu begrenzen.

Mit Geld Geld machen

Das milliardenschwere Kartenunternehmen Visa steht auf der anderen Seite. 2017 lockte der Finanzdienstleister Restaurants und Lebensmittelhändler mit einer Stange Geld. Der Köder war an eine Bedingung geknüpft: an der Kasse kein Bargeld mehr anzunehmen. Visa arbeitete daran, dass beim Super Bowl die Barzahlung ausgeschlossen ist. Wir sprechen vom Finalspiel der großen Football-Liga. Im Jahr 2021 war es so weit. In einem Dokument schreibt das Kartenunternehmen, dass Fans im Stadion ein Viertel mehr Geld ausgeben, wenn sie nicht mit Bargeld zahlen müssen (2). Natürlich richtete sich die Publikation nicht an Stadionbesucher.

In Deutschland lehnt seit Anfang 2023 die erste Handelskette Bargeld ab: ein Elektronikunternehmen mit 40 Filialen bundesweit. Gegen diesen Trend tut sich etwas: Jüngst sprach sich ein Direktor der Oesterreichischen Nationalbank dafür aus, den Einzelhandel auf die Akzeptanz von Bargeld zu verpflichten. In der Schweiz steht die Volksinitiative »Ich zahle bar« in den Startlöchern. 100.000 Unterschriften müssen die Initianten sammeln, damit es zum Referendum kommt. Unterstützung jedweder Art ist willkommen. Wenn es den Eidgenossen gelänge, die Barzahlung in der Verfassung zu verankern, hätte das Leuchtturmwirkung für die ganze Welt. Hier erfahren Sie, wie Sie das Projekt auch als Ausländer unterstützen können.

Der Geldumgangstrainer Hansjörg Stützle ist überzeugt, dass Bargeld nur dann eine Zukunft besitzt, wenn wir ein Gefühl dafür entwickeln, welchen Nutzen uns dieses einzige freie etablierte Zahlungssystem schenkt. In der neuen Bargeld-Challenge zeigt er unbekannte Gesichtspunkte und verrät allerlei Geheimnisse, wie uns Banknoten und Münzen helfen können, nicht nur Kontrolle über die Ausgaben herzustellen, sondern auch mehr Wertschätzung und Freude im Umgang mit Geld zu gewinnen. Machen Sie mit und laden Sie Ihre Freunde dazu ein.

Ergänzende Quellenangaben

Der Autor hat Quellenangaben und Verweise, soweit es möglich war, direkt als Verlinkungen in seinen Artikel integriert, um eine leichtere Zugänglichkeit von Referenzen und weiterführenden Inhalten zu erzielen. Die nachfolgenden ergänzenden Hinweise sind im Text durch eingeklammerte Ziffern angekündigt worden:

Sollte eine Verlinkung nicht mehr funktionstüchtig sein, können Sie den Link im Wayback-Internetarchiv nachschlagen.

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Mehr als 100 Grafiken ermöglichen es auch Laien, die komplexen Zusammenhänge leicht zu verstehen. Dabei folgt Hansjörg Stützle seinem Anspruch, nicht nur aufzuklären, sondern auch Lösungen aufzuzeigen. So beleuchtet er die Bargeldabschaffung auch aus dem Blickwinkel der morphischen Felder. Dieser Perspektivenwechsel schafft Raum für Hoffnung und bietet jedem Einzelnen die Chance, ein wichtiger und unverzichtbarer Teil der Lösung zu sein.

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