Die Interessengruppen hinter der Beseitigung des Bargelds: Wer fällt die Entscheidung über die Bargeldabschaffung wirklich? Teil 1

Die Interessengruppen hinter der Beseitigung des Bargelds: Wer fällt die Entscheidung über die Bargeldabschaffung wirklich? Teil 1

Yves Mersch, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank, äußerte sich in einem Gastbeitrag für Spiegel Online darüber, wer die treibenden Kräfte hinter der Bargeldabschaffung sind. Schauen wir uns an, welche Akteure das Bargeldverbot auf den Weg bringen und wo sich das Schicksal des Bargeldes tatsächlich entscheidet.

Die Bargeldabschaffung und das große Geld

Unter der Finanz-Tech-Allianz subsumiert Yves Mersch die Banken wie die sonstigen Unternehmen der Kreditwirtschaft. Für sie wäre die Bargeldabschaffung mitunter willkommen, können sie sich doch dadurch von Kosten für die Bereitstellung der Bargeldinfrastruktur trennen. Die klassischen Filialbanken unterliegen zudem einem zunehmenden Konkurrenzdruck durch moderne Finanztechnikbanken, die weitgehend ohne Bargeld arbeiten und keinen persönlichen Kundenkontakt pflegen.

Außerdem gibt es solche Giganten der Kreditkartenbranche wie Visa und Mastercard. Beide sind in der Better Than Cash Alliance (Besser-als-Bargeld-Allianz) organisiert, ein Verbund von Konzernen, Regierungen und Stiftungen, der gerade in der aktuellen Krise stark auf eine Bargeldabschaffung hinarbeitet. Wie viele andere Firmen der Finanzwirtschaft erhoffen sie sich von einem Bargeldverbot mehr Kunden und einen gigantischen Zuwachs elektronischer Zahlungsvorgänge.

Auf einige ökonomische Interessen der Finanzindustrie ist Yves Mersch nicht eingegangen, z.B. auf den Datenhandel: Wenn ein Ausweichen auf Bargeld nicht mehr möglich ist, kann anhand der aufgezeichneten Geldtransaktionen ein sehr interessantes und analysefähiges Persönlichkeitsprofil erstellt werden; denn wir wissen, wo Sie einkaufen, wann, bei wem und für wie viel … Mit solchen Daten lässt sich heute viel Geld verdienen.

Eine Folge der Abschaffung des Bargeldes stellt jedoch alle anderen in den Schatten: Wenn der einzige ernsthafte Konkurrent der elektronischen Zahlungsmittel beseitigt ist, können die Banken und viele andere Finanzdienstleister ihre Preise dramatisch erhöhen.

Die Bargeldabschaffung und die akademische Garderobe

Als Alchemisten bezeichnet Mersch eine Fraktion aus der Reihe der Ökonomen. Sie wollen das Bargeld abschaffen, um endlich Negativzinsen für jedermann durchsetzen zu können. Niemand könnte dann mehr das Kontoguthaben abräumen, um der ständigen Entwertung seines Geldes zu entgehen. Der Leitzins der Europäischen Zentralbank könnte minus 5 Prozent betragen und die Geschäftsbanken würden ihre Kosten für den Strafzins auf den Kunden umlegen. Im Resultat ergibt sich eine neue Möglichkeit, die Rezession der Wirtschaft, wie wir sie gegenwärtig erleben, zu bekämpfen, weil der Bürger zum Konsumieren von nicht lebensnotwendigen Produkten verleitet wird.

Yves Mersch kritisiert diese Idee auf Basis ökonomischer Überlegungen. Doch die gesellschaftlichen Folgen solch einer Praxis innerhalb des heutigen Finanz- und Wirtschaftssystems sind weitaus dramatischer: Wer spart, wird fortan bestraft, wer einen sicheren Hafen für sein Geld in sinnlosen Gütern sucht, wird belohnt.

Vergessen wir nicht, dass unter den Alchemisten noch mehr Ideen existieren, als EZB-Direktoriumsmitglied Mersch erwähnt: Würde man das Bargeld abschaffen, wären jederzeit staatliche Enteignungen unter allen denkbaren Namen und Vorwänden möglich:

  • Einmalige solidarische Vermögensabgabe zur Rettung und finanziellen Stabilisierung Italiens
  • Sondersteuer zur Bewältigung der aktuellen Krise
  • Zwangsabschöpfung zur Bankenrettung, für den Bundeswehreinsatz oder zur Stopfung des Haushaltslochs

Solche Gedanken dürften nicht nur bei Ökonomen innerhalb solcher Organisationen wie dem IWF oder der EZB existieren, sondern auch in den Ministerien von Regierungen und bei ihren Beratern.

Die neue EZB-Chefin und ehemalige IWF-Vorsitzende Lagarde ist bekanntlich sowohl für derartige innovative Ideen offen als auch eine der modernen Finanztechnikbranche zugeneigte Person. In ihrer Zeit beim Internationalen Währungsfonds erschienen mehrere Arbeitspapiere (WP/17/71, WP/18/191 und WP/19/84), in denen eine schrittweise Bargeldabschaffung oder ein Bargeldverbot erörtert wird. In dem ersten der drei werden sogar konkrete Vorschläge gemacht, wie sich staatliche Institutionen verhalten sollen, um möglichst widerstandsfrei das Bargeld abschaffen zu können. An dem zweiten Papier war gar Katrin Assenmacher, Leiterin der Division Geldpolitische Strategie der Europäischen Zentralbank (EZB), beteiligt.

Eine Kommentierung von Volkswirtschaftler Dr. Norbert Häring zum Thema Bargeldabschaffung:

https://norberthaering.de/kryptowaehrungen/zb-bargeldstudien/?lang=de

https://norberthaering.de/news/iwf-bargeld-abwerten-2/

Buch eines der größten Verfechter der Bargeldabschaffung:

Der ehemalige Chefökonom des IWF, Kenneth Rogoff, einer der bekanntesten und bestvernetztesten Wirtschaftswissenschaftler der Welt, veröffentlichte 2016 das Buch »The Curse of Cash« (Der Fluch des Bargelds), in dem er die schrittweise Abschaffung des Bargeldes fordert.

Um die Fortsetzung dieses Aufsatzes zu lesen, klicken Sie hier.

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